|
“Ich habe schon drei Chinesen gesehen. Einer davon
spielt nächste Saison bei uns in
Montpellier an Position 1”,
bemerkte Lennart Wehking gleich zu
Beginn der Eröffnungszeremonie der
Zweiten Europäischen
Tischtennisstudentenmeisterschaften
im nahe Rom gelegenen Latina.
Das ließ für den
weiteren Turnierverlauf für die
deutschen Mannschaften aus Köln und
Saarbrücken nichts Gutes vermuten,
und tatsächlich dominierte das Team
um
Zhang Hong Ming der
“Metropolitan
University London” mit drei Chinesen
und einem Quotenengländer sowohl den
Team- als auch den Einzel- und
Doppelwettbewerb der
Europameisterschaft.
Köln, mit Lennart Wehking, dem
Vorjahreszweiten im Einzel, in
seinen Reihen, setzte sich in der
Gruppe mit Serbien, Polen und der
Zweitvertretung der Russen souverän
als Gruppenerster durch.
Gleichzeitig kämpfte das Team der
Universität des Saarlandes mit der
Erstvertretung Russlands, Englands
und der Türkei um den Einzug ins
Viertelfinale. Nach einem deutlichen
Sieg gegen die Türken waren Stephan
Pache, Andreas Huber und Leo Stynen
gegen die starken
Vorjahresfinalisten aus Moskau
unterlegen, Stephan Pache kämpfte
sich noch in den fünften Satz gegen
Petrushin, Andi Huber hatte mit
etwas Glück beim Stand von 9-9 im
fünften Satz Siegchancen und Leo
Stynen gewann einen Satz gegen
Lakeev (um die 160 in der Welt).
Insgesamt waren die in der
Weltrangliste geführten Russen aber
eine Klasse zu stark für die
Saarländer,
Jene konnten aber im entscheidenen
Moment beim 3:2-Krimi gegen England
die Nerven behalten und ebenfalls
ins Viertelfinale einziehen.
Der Limbacher Andi Huber schlug in
diesem Spiel nicht nur die Nummer 10
Englands, Tim Yarnall, sondern
zeigte im entscheidenen Spiel, dass
er seinem neuen Spitznamen
“Nervenhubi” gerecht wird.
Großer Jubel dann im Viertelfinale
auf deutscher Seite, als sich
Lennart Wehking, Jakob Eberhardt,
David Pfade, Felix Schmidt-Arndt und
Dennis Michel gegen Kroatien
durchsetzten und damit den Einzug
ins Halbfinale und die erste
Medaille für Deutschland im
Turnierverlauf sicherten. Die
Universität des Saarlandes bekam mit
der “Metropolitan University London”
den mit Abstand schwersten Gegner
bereits im Viertelfinale und musste
sich wie Köln später im Halbfinale
den starken Chinesen beugen. Im
Finale gegen Russland gewann das
Team um Zhang Hong Ming anschließend
Gold für England.
Nur zu gerne erinnerten sich die
deutschen Athleten an Lennart
Wehkings Auftritt im letzten Jahr,
als er sich mit der lautstarken
Unterstützung der Teamkollegen bis
ins Finale der Einzelkonkurrenz
vorspielen konnte. Die
zum Teil anarchistisch anmutende
Turnierorganisation, die zuließ,
dass der russische Trainer im
Teamevent die bereits gelosten
Gruppenzusammensetzungen nochmals zu
seinen Gunsten ändern konnte,
lieferte nun auch im
Einzelwettbewerb Grund für Ärger. So
wurden die am Vortag im Teamevent
souverän siegenden Chinesen vom
Londoner Team im Unterschied zu den
Russen nicht ansatzweise im
Einzelwettbewerb gesetzt, sondern
frei ins Feld gelost, was zur Folge
hatte, dass der an Position Drei
gesetzte Lennart Wehking bereits in
Runde 2 (!) auf einen der Chinesen
traf und nach 2:1 Satzführung noch
gratulieren musste.
Im leistungsmäßig dicht besetzten
Feld war für alle deutschen Athleten
spätestens im Achtelfinale
Endstation.
Andi Huber musste direkt in der
ersten Runde gegen den stärksten
Chinesen ran. Stephan Pache verlor
im Achtelfinale gegen einen in der
Weltrangliste geführten Zyprioten,
und Leo Stynen schnupperte in Runde
2 gegen einen gesetzten Russen am
fünften Satz.
Im Doppel konnten sich Andras Huber
und Leo Stynen von der Uni Saarland
bis ins Viertelfinale vorspielen,
indem sie gegen eine serbische
Kombination beim Stande von 1-1 und
6-10 den Spiess noch drehten, Im
Viertelfinale mussten sich die zwei
Limbacher jedoch der Paarung
Zhang/Zhang geschlagen geben. Lennart Wehking und Jakob Eberhardt
(Sporthochschule Köln) stiessen bis
ins Halbfinale vor, konnten jedoch
gegen die späteren
Doppelstudenteneuropameister Zhan/Zhang
nicht gewinnen.
Neben den zwei Medaillen und den
Viertelfinaleinzügen werden die
diesjährigen Europameisterschaften
für die deutschen Athleten auch
wegen der liebevollen
Gesamtorganisation des
Ausrichterteams vor Ort, der vielen
grenzüberschreitenden Begegnungen
beim gemeinsamen Fussball EM schaün
oder internationalen
Strandfussballmatches in besonderer
Erinnerung bleiben.
Über den russischen
Trainer, der mit dem Stift in der
Hand die Gruppenkonstellation zu
Gunsten seiner Mannschaft änderte,
wird man in ein paar Jahren sicher
schmunzeln können.
Aber auch erst dann.
In unserer
Foto-Galerie
sind auch Bilder von der
Veranstaltung zu finden.

|