12.02.07
Christian Schleppi gewinnt bei südwestdeutschen Meisterschaften Gold im Doppel
 
Immer, wenn man bislang dachte, dass Christian Schleppi nun den Zenit seines Könnens und die für ihn größtmöglichen Erfolge erreicht habe, belehrte unsere Nummer 1 die so denkenden eines Besseren. Wer nun nach seinem STTB-Top12-Sieg und dem Gewinn der Bronzemedaille im Doppel bei den südwestdeutschen Meisterschaften vor zwei Jahren geglaubt hatte, das Ende der Fahnenstange sei erreicht, der durfte am vergangenen Samstag und Sonntag bei den Südwestdeutschen Meisterschaften der Aktiven in Waldfischbach eindrucksvoll miterleben, dass man sich bei Christian Schleppi mit solchen Aussagen tunlichst zurückhalten sollte.

Schleppi und Habel erreichen 4. Platz in der Gruppe - Schleppi profitiert von Tranles Absage

Doch der Reihe nach. Mit gleich zwei Teilnehmern war der TV 06 Limbach in Waldfischbach vertreten, neben Christian Schleppi nahm auch das größte saarländische Nachwuchstalent im Jugendbereich, Mirko Habel, an der Veranstaltung teil. Darüber hinaus komplettierten Christoph Brubach (TTF Besseringen) sowie Stephan Pache und Benjamin Rösner (beide 1. FC Saarbrücken) das Teilnehmerfeld bei den Herren. Bei den Damen gingen Claudia Walerowicz, Ann-Kathrin Herges und Theresa Adams (alle ATSV Saarbrücken) sowie Nikola Neu (TTSV Fraulautern) an den Start.

In der Gruppenphase konnten die beiden Limbacher bei starker Konkurrenz überzeugen, jedoch sollte es am Ende nicht reichen, einen der drei zur Teilnahme an der KO-Runde berechtigenden Plätze zu ergattern. Gegen May (TVB Nassau, Rheinland) gelang Schleppi ein relativ ungefährdeter 3:1-Erfolg. Doch der Gegner im zweiten Gruppenspiel hatte es dann in sich: Dennis Dickhardt (TTV Stadtallendorf, Hessen), der beim letzten Bundesranglistenturnier den 11. Platz belegt hatte, schien eine unüberwindbare Hürde. Nach einem 0:2-Rückstand kämpfte sich Schleppi wieder heran, musste aber im 4. Satz beim Stande von 6:10 vier Matchballe abwehren, und weitere vier in der Verlängerung (!) - gewann aber diesen Satz noch.

Verpasste trotz guter Leistungen und zweier Siege knapp die Qualifikation zur KO-Runde:
Mirko Habel

"Ab diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass ich endlich erstmals seit Oktober des vergangenen Jahres wieder das richtige Gefühl hatte", äußerte der Limbacher erfreut nach Spielende.  Im Entscheidungsspiel zeigte der 28jährige dann fantastisches Tischtennis und siegte somit gegen einen der Turnierfavoriten. Somit hatte Schleppi einen optimalen Start erwischt, und stand in seinem dritten Spiel bereits kurz davor, den Achtelfinaleinzug perfekt zu machen. Doch gegen Schneider (SV Flieden, Hessen) konnte er in der Verlängerung des Entscheidungssatzes einen Matchball nicht nutzen und verlor das Spiel noch. Nun musste Schleppi eines der beiden verbleibenden Spiele gewinnen, um im Turnier zu bleiben. Doch es sollte anders kommen: Gegen Graf (TV Leiselheim, Rheinland) und Minh Tranle (Post SV Zeulenroda, Thüringen) setzte es zwei Niederlagen. Gegen Graf erkämpfte sich Schleppi im Entscheidungssatz zwar noch einen Matchball, konnte diesen aber nicht nutzen.
"Beides sind Linkshänder mit sehr gutem Aufschlag. Ich kam überhaupt nicht ins Spiel. Daher hätte ich mich nicht beklagt, wäre ich ausgeschieden - auch wenn ich insgesamt eine gute Leistung gezeigt habe."
Dass er am Ende doch noch in die KO-Runde vorrückte, hatte er dem glücklichen Zufall zu verdanken, dass der Gruppendritte Tranle am Tag darauf ein wichtiges Regionalligaspiel hatte, das nicht verlegt werden konnte. Daher verzichtete Tranle auf die Teilnahme an der KO-Runde und überließ Schleppi damit den Vortritt.

Mirko Habel hatte dieses Glück nicht, sondern schied als Gruppenvierter aus. Dass aber auch bei ihm nicht viel fehlte, um die KO-Runde zu erreichen, verdeutlicht ein Blick auf seine Resultate: Gegen Cambell (ASV Maxdorf, Pfalz) und Albrecht (Post SV Mühlhausen) schaffte er zwei klare Erfolge, während er gegen die Gruppenfavoriten Ball (Eintracht Felsberg, Hessen) und Bomsdorf (TTC Seligenstadt, Hessen) zwar ohne Satzgewinn unterlag, aber dennoch gute Leistungen zeigte und alle Sätze nur knapp verlor. Im entscheidenden saarlandinternen Duell mit Christoph Brubach um das Weiterkommen gewann Habel den 1. Satz und führte im zweiten bereits mit 7:5, verlor diesen aber jedoch noch und ebenso Durchgang 3. Im 4. Satz verpasste er dann beim Stande von 10:5 trotz fünf Satzbälle den Entscheidungssatz.

Schleppi brilliert in der KO-Runde gegen Haberle und Bomsdorf

Christian Schleppi hatte dann am Sonntag die Chance, sich in der KO-Runde zu beweisen. Und das sollte ihm

Schaffte am Ende einen überragenden 3. Platz im Einzel:
Christian Schleppi

eindrucksvoll gelingen. Die Auslosung bescherte ihm mit Haberle (TTC Elz, Hessen) erneut einen Linkshänder, doch sollte das Spiel ganz anders verlaufen als Schleppis Gruppenspiele gegen die Linkshänder Graf und Tranle.
"Anfangs taten mir vom Vortag noch alle Knochen weh, doch ab dem 3. Satz hatte ich den Muskelkater sozusagen rausgespielt", kommentierte Schleppi das Spiel. Die Sätze drei bis fünf endeten deutlich für den Limbacher, der in dieser Partie erneut sein bestes Tischtennis zeigte. Damit war der Einzug ins Viertelfinale perfekt, das Soll praktisch schon übererfüllt angesichts der hochkarätigen Konkurrenz. Doch es sollte noch besser kommen.
Die Runde der letzten Acht bescherte Schleppi den Hessen Bomsdorf, der in Habels Gruppe den ersten Platz errungen hatte. Es entwickelte sich ein tolles Spiel, bei dem Schleppi von Anfang an in Führung lag. Kritisch wurde es erst, als Bomsdorf auf 3:2 Sätze verkürzen konnte, und im 4. Satz plötzlich einen 3:8-Rückstand in eine 9:8-Führung drehte. Doch in Folge bewies Schleppi tolle mentale Stärke, schaffte drei Punkte in Folge und damit den umjubelten Halbfinaleinzug. Dort wartete mit dem Zweitligaspieler Carlos Lang eine harte Nuss - zu hart, wie sich herausstellen sollte. "Ich war körperlich am Ende, dazu hat mein Gegner sensationell gespielt. Ich hatte keine Chance", musste Schleppi nach fünf Sätzen anerkennend zugeben. Doch der damit verbundene 3. Platz war sensationelles Ergebnis - auch wenn es in Folge noch besser kommen sollte...

"Notdoppel" Schleppi/Brubach holt sensationell die Goldmedaille im Doppel

Das "Notdoppel", das am Ende Südwestdeutscher Meister wurde:
Christoph Brubach und Christian Schleppi

"Wir waren eigentlich ein Notdoppel und passen nicht optimal zusammen, da wir beide viel Platz brauchen", so lautete das Statement von Christian Schleppi über sein Zusammenspiel mit dem Besseringer Christoph Brubach. Doch der Turnierverlauf sollte Schleppi mehr als Lügen strafen... Da die Vereinskameraden Rösner/Pache zusammenspielten, gab es nicht mehr viele Möglichkeiten der Doppelzusammenstellung für die verbleibenden drei Saarländer. Mirko Habel spielte mit Andreas Greb (TTC 66 Mündersbach, Rheinland) zusammen - und genau diese beiden Paarungen trafen dann auch in der 1. Runde aufeinander. Hier hatten die Favoriten Schleppi/Brubach bereits schwer zu kämpfen und mussten eine gute Leistung abliefern, um mit 3:1 siegreich zu bleiben.
Im Halbfinale kam es zum Duell mit den topgesetzten Haberle/Dickhardt (Hessen). Die beiden Youngster waren von Beginn an spielbestimmend, dennoch gelang den Saarländern ein Satzgewinn. Im 4. Satz musste die Limbacher-Besseringer Kombination dann drei Matchbälle abwehren, erzwang aber den Entscheidungssatz. Hier spielten sich die beiden dann in einen Rausch und siegten mit 11:9. Damit stand fest, dass es ein rein saarländisches Finale geben würde, denn die andere Finalpaarung hieß Rösner/Pache. In dieser Partie waren Schleppi/Brubach stets das bessere Doppel und siegte am Ende verdient mit 3:1. Besonders Christoph Brubach steigerte sich nochmals im Vergleich zum Halbfinale, spielte teilweise unglaubliche Bälle und war somit Garant für den Sieg, auch wenn Schleppis Statement ("Unglaublich, was er gespielt hat. Ich musste nur den Ball halten und vorbereiten") als Understatement gewertet werden darf.

Damit war die Sensation perfekt, und Christian Schleppi hatte den Titel des Südwestmeisters inne. Zusammen mit dem 3. Platz im Einzel betrachtet eine unglaubliche Leistung, die er sich im Vorfeld wahrscheinlich nicht in den kühnsten Träumen ausgemalt hätte. Versüßt wurde Schleppis Einzelresultat noch durch die Tatsache, dass er sich mit dieser Platzierung für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert hat, was ihm vor zwei Jahren schon einmal gelungen war, er aber seine Teilnahme aufgrund einer schweren Grippe absagen musste.

Übrigens war das Turnier auch aus der Gesamtsicht der Saarländer ein voller Erfolg, denn den Titel des Südwestmeisters sicherte sich völlig überraschend Stephan Pache im Finale gegen Carlos Lang. Hinzu kamen neben der Silbermedaille von Rösner/Pache im Doppel noch eine Bronzemedaille von Brubach/Walerowicz im Mixed, was den STTB am Ende im Herrenbereich zum erfolgreichsten Verband avancieren ließ.

Herzlichen Glückwunsch, Christian und Mirko, zu euren tollen Leistungen!